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Die Steelband-Musik, auch Pan-Musik genannt, stammt zwar aus Trinidad, doch ist sie heute zum Markenartikel der ganzen Karibik geworden. Der Reggae, eigentlich ein Protestgesang, hat sich weltweit verbreitet, und der Calypso wird in der Karibik gern als politische Satire eingesetzt, die ihre Wirkung auf keinen westindischen Wähler verfehlt. In einem schwerfälligen Singsang, der meist aus dem Stegreif gereimt wird, nehmen die Calypso- Sänger Politiker, Touristen oder irgend jemanden auf die Schippe. Sich selbst geben sie hochtrabende Namen wie King Superior, Prince Worthy oder Mighty Sparrow. Es kann durchaus vorkommen, daß ein Calypso-Sänger im Restaurant zu den Gästen an den Tisch kommt, ein, zwei unschuldige Fragen über Alter oder Herkunft stellt, und daraus einen kleinen, übermütig-komischen Knittelvers zu seiner Musik dichtet. Das hört sich dann vielleicht so an.
Wahrscheinlich ergibt sich auch einmal die Gelegenheit, selbst einen Limbo auszuprobieren, diesen akrobatischen Tanz, bei dem die Tänzer sich unter einem Besenstiel durchwinden, der von Runde zu Runde tiefer gesenkt wird. Und wenn die Touristen sich schon längst zurückgezogen haben, um ihre Knochen wieder einzurenken und ihre Verstauchungen zu pflegen, schieben sich die so überaus gelenkigen einheimischen Limbo-Artisten immer weiter unter den Stäben durch — jetzt nur noch ein paar Zentimeter über dem Boden — und balancieren obendrein häufig noch lächelnd eine brennende Fackel in jeder Hand.
Zum Glück haben solche Touristen-Attraktionen ernsthafte künstlerische Ausdrucksformen nicht verdrängen können. Gruppen wie die Jamaika National Dance Theater Company, Les Grand Ballets de la Martinique, die Kibrahucha-Tänzer von Bonaire, die Folklore-Gruppe von Guadeloupe und die Mayoumba-Folklore-Gruppe von Anguilla pflegen traditionelle karibische Tänze und Gesänge. Auf St. Lucia gibt es das Volkstheater Lighthouse, wo Schauspiele, Komödien oder Pantomimen in Englisch und Kreolisch aufgeführt werden. Mittlerweile gibt es auf fast allen Inseln Theater- und Kulturzentren, wo man mit etwas Glück auch einheimische Folkloregruppen zu sehen bekommt. Meist bevorzugen solche Zentren jedoch auswärtige Künstler, Broadway-Stücke oder Konzerte mit klassischer Musik. Ein guter Tipp sind die lokalen Festlichkeiten, wenn auf den Straßen oder auf roh gezimmerten Bühnen traditionelle karibische Tänze und Musik dargeboten werden. Solche Feste gibt es zahlreich: das Erntefest Simadan auf Bonaire, das zweitägige muslimische Neujahrsfest auf Trinidad, das allerdings viel von seinem religiösen Ursprung verloren hat, oder der Nationalfeiertag von Dominica, der Anfang November mit Karnevalsumzügen und Folklore-Darbietungen begangen wird. Eine gute Gelegenheit sind auch die Straßenfeste, wie sie freitagabends in Gros Islet auf St. Lucia oder an jedem zweiten Samstag des Monats auf Dominica stattfinden. (Erkundigen Sie sich vorher nach dem genauen Ort des Korne Korn-La auf Dominica, meist ist es Scotts Head oder Soufriere.)
Spontane Umzüge können an jedem x- beliebigen Abend auf jeder Insel stattfinden — sei es rund um ein Lagerfeuer am Strand oder nach einer formelleren Veranstaltung. Meist fängt es mit einem Musiker an, der die Straße herunterkommt wie der Rattenfänger von Hameln und dem sich immer mehr Menschen anschließen. Die Inselbewohner werden sofort munter, wenn sie den Rhythmus der Musik hören, und lassen jeden, auch den Fremden, an ihrem Zug teilnehmen. Tanzveranstaltungen und Konzerte werden normalerweiser auf formlosen Plakaten angekündigt. Durch sie erfährt man beispielsweise, wo Zouk, der Jazz von Guadeloupe, oder eine neue Art Reggae, Compas oder Soca gespielt werden.