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Djerba
Die 514 qkm große tunesische Mittelmeerinsel Djerba ist dem Golf von Gabos im Südosten vorgelagert. Vom Festland ist sie durch den kleinen Golf von Bou Grara getrennt. Ein 6,4 km langer Straßendamm führt nach El- Kantara im Südosten Djerbas, während zwischen Djorf und dem südwestlichen Inselort Adjim eine Fährverbindung besteht. Hauptort der Insel ist die rund 10 000 Einwohner zählende Kleinstadt Houmt-Souk. Djerba ist noch heute eine Idylle, an der das 20. Jahrhundert spurlos vorübergegangen zu sein scheint, denn noch immer sind weitläufige Dattelpalmenoasen, Ölbaumpflanzungen und bewässerte Gartenkulturen neben dem traditionellen Töpfer- und Weberhandwerk sowie der Fischerei und der Schwammtaucherei die hauptsächlichen Erwerbsquellen der Einheimischen. Charakteristisch sind weitläufige Streusiedlungen, Zeichen einer dünnen Bevölkerungsdichte, die vermutlich auf die schwache Ertragslage der Landwirtschaft zurückgeht. Die jahrhundertealte traditionelle Wirtschaftsstruktur erhielt jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg ein räumlich auf die nördliche Küstenregion beschränktes zweites Bein, denn das niederschlagsarme, durch den Einfluss des Mittelmeers sehr ausgeglichene sonnige Klima führte hier in Verbindung mit kilometerlangen Sandstränden zum gezielten Aufbau einer Fremdenverkehrszone, die sich zusammen mit der am Festland gelegenen Oase Zarzis zur größten in Südtunesien entwickelte. Eine Kette von annähernd 40 erstklassig geführten Hotels europäischen Standards mit rund 10000 Betten säumt die Küste bei Sidi Mahrez und La Seguia. Der nur rund 30 km entfernte Flughafen von Mellita verbindet die Insel mit den europäischen Herkunftsländern der Touristen. Ein großes Problem auf Djerba ist von
jeher die Wasserversorgung, denn auf der niederschlagsarmen Insel (ca. 200 mm/Jahr) mit ihren geringen Höhenunterschieden gibt es kein oberirdisches Gewässernetz. Abgesehen von der Fremdenverkehrsregion an der Nordküste, die über eine Pipeline vom Festland mit Wasser versorgt wird, sind die übrigen Teile Djerbas noch heute größtenteils von rund 3700 Brunnen und 2000 Zisternen abhängig, deren Wasser leicht salzhaltig ist. Die Wasserqualität nimmt allerdings von den küstennahen Gebieten zum Landesinnern hin zu. Dies spiegelt sich deutlich in der Struktur der Landwirtschaft wider, denn an den Außenrändern der Insel werden vorwiegend ertragsarme Dattelpalmen angepflanzt, während landeinwärts eine intensiver genutzte Ölbaumzone folgt, die in der Inselmitte schließlich von ausgedehnten Fruchtbaumgärten abgelöst wird. Die Inselbewohner, die Djerbi, sprechen noch zu etwa 25% berberische Dialekte. Viele von ihnen haben die Insel in der Vergangenheit verlassen, weil die ertragsarme Landwirtschaft als Lebensgrundlage nicht ausreichte. Sie sind heute in allen größeren Städten des Landes als geschickte Kaufleute bekannt. Neben der berberischen Bevölkerung ist außerdem eine einst größere Gruppe jüdischer Einwanderer zu nennen, die sich in den letzten Jahren durch Auswanderung stark verringert hat. Die Juden gründeten nach ihrer Vertreibung aus Palästina (vermutlich nach der Zerstörung Jerusalems durch Titus 70 n.Chr.) die beiden geschlossenen Dörfer Hara Kebira und Hara Essghira mit der berühmten Synagoge La Ghriba, zu der 33 Tage nach Ostern alljährlich jüdische Pilger aus allen Teilen Nordafrikas reisen.
GESCHICHTE. — Der Sage nach soll Odysseus auf seiner Irrfahrt von Troja auf Djerba gelandet sein. Gesicherte historische Kenntnisse reichen bis ins 9. vorchristliche Jahrhundert zurück, als die Phönizier auf der in der Antike Meninx genannten Insel Djerba Handelsniederlassungen gründeten. Unter römischer Herrschaft gab es auf Djerba vier Städte, nämlich Girba, Haribus, Tipasa und Meninx, und der heutige Inselname leitet sich wohl von Girba ab. Nach Meninx führte vom Festland aus bereits da- mals ein Damm, dessen Reste die Fundamente der heutigen Straßenverbindung bilden. Von der einstigen Römerstadt sind in der Nähe El Kantaras noch einige Säulen übriggeblieben. Auf die Römer folgten nacheinander Vandalen, Byzantiner, Ara- ber, Normannen, Spanier, Türken und Franzosen als fremde Eroberer.
INSELBESCHREIBUNG. — Lohnend ist ein Besuch des Hauptortes Houmt-Souk mit seinen malerischen engen Sackgassen, in denen montags und donnerstags ein Markt abgehalten wird. Zahllose Händler bieten Kleider, Schuhe, Seide, Messing-, Silber- und Lederwaren an. In der Altstadt gibt es drei hübsche Moscheen, darunter die Djama et-Turuk (Türkische Moschee) mit ihren sieben Kuppeln und einem phallusartigen Minarett sowie die Djama Ghorba (Fremdenmoschee), deren Minarett man ersteigen kann. Nahebei das Regionalmuseum mit Volkstrachten, Schmuck und wertvollem Tongeschirr. — Am Hafen eine kleine spanische Festung (13. - 14. Jahrhundert) und der Bordj el-Kebir (Großer Turm) aus dem 15. Jahrhundert, im 16. Jahrhundert durch die Spanier erweitert und durch den Korsaren Dragut umgebaut. Dahinter steht eine Pyramide an der Stelle des 1848 beseitigten Schädelturms. Dieser war aus den Schädeln von 5000-6000 europäischen Christen errichtet worden, die Dragut 1560 hier ermordet hatte. Sie gehörten zur päpstlichen Armee, die versucht hatte, das Piratennest auf Djerba zu zerstören. Als sehenswerte Stationen einer Inselrund- fahrt bieten sich die beiden jüdischen Gemeinden Hare Kebira und Hara Essghira mit der vielbesuchten 'Synagoge La Ghriba an. Von den 1956 hier lebenden 5000 Juden sind inzwischen die meisten ausgewandert. In Hera Kebira sind nur noch 700 und in Hara Essghira 280 übriggeblieben. Weiter südlich das Dorf El-May, dessen Moschee als schönste der Insel gilt. An der Südküste liegt der Ort Guellala mit mehreren Töpfereien und Verkaufsläden. Unterwegs fallen die zahlreichen geneigten, bis zu 300 qm großen Betonflächen auf. Meist sind sie weiß getüncht. Sie befinden sich häufig auch neben einer Moschee. Diese sogenannte Fsakia sind Sammelbecken für das Regenwasser, das zur künstlichen Bewässerung benötigt wird (Impluviummethode). Recht lohnend ist ein Ausflug nach Zarzis (ca. 15000 Einw.) Hotels Sangho Club, Zarzis, Sidi Saad und Zita), dem Zentrum einer südwestlich von Djerba an der Syrtenküste gelegenen Bewässerungszone (Oase) mit 500000 Dattelpalmen und 700000 Olivenbäumen, die sich hinter den herrlichen 'Sandstränden der Küstenebene Djeffara in mitten der Wüstensteppe ausbreitet. Die Stadt wurde erst im 19. Jahrhundert unter dem französischen Protektorat gegründet, um die Accarabeduinen in diesem Gebiet sesshaft zu machen.
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